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    „Vanity Fair“ – ein Drama ohne Heldin

    Eine moderne Adaption des Klassikers von William Makepeace Thackeray von 1848

    "Vanity Fair" - ein Drama ohne Heldin – Eine moderne Adaption des Klassikers von William Makepeace Thackeray von 1848 – Bild: ITV
    Olivia Cooke als Becky Sharp in „Vanity Fair“ 2018

    „Das war die Schule und jetzt kommt das Leben“, erklärt Becky Sharp (Olivia Cooke, „Bates Motel“, „Ready Player One“) ihrer besten Freundin Amelia Sedley (Claudia Jessie) an ihrem letzten Tag in Miss Pinkertons „Erziehungsanstalt für junge Damen“. Während jedoch die gutmütige und naive Amelia sich einfach nur ein glückliches Leben mit ihrem Verlobten Captain George Osborne (Charlie Rowe) wünscht, strebt Becky nach mehr. Aus irgendeinem Grund nimmt sie an, dass sie für Höheres bestimmt ist. Als Miss Pinkerton (Suranne Jones, „Scott & Bailey“) ihr eine Stelle als Gouvernante besorgt, schleudert Becky ihr frech entgegen, dass sie lieber betteln gehen würde. Bekanntlich sollte man lieber vorsichtig mit seinen Wünschen umgehen …

    Schnell versetzt einen „Vanity Fair“ in die passende Stimmung. Pferdekutschen fahren mit klappernden Geräuschen über Kopfsteinpflaster. Kichernde Mädchen mit Bonnets laufen durchs Bild. Die Kamera nimmt den Zuschauer mit durch vorviktorianische Gebäude und buntes Treiben in kleinen Seitengassen Londons. Was sich nicht so recht in dieses Bild einzufügen vermag, ist der moderne Touch, den das Drama hier und da einzubringen versucht. So sorgen der Soundtrack, der immer wieder neuzeitliche Songs wie z.B. „Material Girl“ umfasst, oder die direkten Blicke von Becky in die Kamera, die die vierte Wand zum Zuschauer durchbrechen, eher für Irritation.

    Aufgewachsen als Tochter eines Künstlers und einer Tänzerin, bringt Becky nicht die besten Voraussetzungen mit, um in der Gesellschaft aufzusteigen. Darum hat sie schon früh angefangen sämtliche Menschen in ihrer Umgebung zu manipulieren um zu bekommen was sie will – ohne Rücksicht auf Verluste. Die Dramaserie versucht Becky Sharp als selbstbewusste junge Frau zu inszenieren, die weiß, was sie will und ihrer Zeit voraus ist. Leider wird dieses Bestreben schon im ersten Dialog mit Miss Pinkerton weitestgehend zunichte gemacht. Beckys Verhalten ist nicht schlagfertig oder amüsant, sondern respektlos und egozentrisch.

    Beckys Gegenteil: Die hoffnungsvolle Amelia (Claudia Jessie)

    Auch in der Buchvorlage von William Makepeace Thackeray aus dem Jahre 1848 ist Becky keine typische Heldin. Und es muss auch nicht immer eine unschuldige, tugendhafte junge Frau sein, die die Zuschauerherzen erobert. Oft sind es gerade die moralisch fragwürdigen Charaktere, die sich als weitaus interessanter erweisen, da man ihre Scharfsinnigkeit bewundert und fasziniert ist von ihrer manipulativen Skrupellosigkeit. Das funktioniert aber nur, wenn einem entweder einleuchtende Motive für dieses Verhalten präsentiert werden, oder wenn die Figur nicht zu einseitig gezeichnet ist. Becky hingegen will einfach nur reich sein, um des Reichtums Willen. Auf ihrem Weg dahin geht sie dabei oft nicht einmal besonders geschickt oder subtil vor, sodass sie viele ihrer Mitmenschen gegen sich aufbringt.

    Von Becky einmal abgesehen, ist niemand in dieser Serienadaption von „Vanity Fair“ ein großer Sympathieträger. Die Figuren sind fast durchweg egoistisch oder intrigant. Die einzigen Ausnahmen bilden Amelia und Georges bester Freund William Dobbin (Johnny Flynn, „Lovesick“), der heimlich und unsterblich in Amelia verliebt und das ewig fünfte Rad am Wagen ist. Leider werden sowohl Amelia als auch William als eher naiv, schüchtern und langweilig dargestellt, sodass auch hier das Interesse des Zuschauers nicht wirklich entfacht werden kann. Generell bleiben die Nebenfiguren allesamt eher flach. Ihre Beweggründe bleiben oftmals im Dunkeln und ihre Hintergrundgeschichten werden höchstens angerissen.

    Zum Glück kommt Becky in der zweiten Folge nicht umhin, doch noch die Stelle als Gouvernante auf dem Anwesen von Sir Pitt Crawley (Martin Clunes, „Doc Martin“) anzunehmen. Dort trifft sie endlich auf Charaktere, die sie mehr herausfordern und dadurch ergibt sich eine neue und spannende Dynamik in der Geschichte. Zudem hat Becky die Möglichkeit unter Beweis zu stellen, dass sie mehr als ein hübsches Gesicht zu bieten hat. Schnell steigt sie von der Gouvernante zur Sekretärin von Sir Crawley auf. Dieser ist fasziniert von ihrem Ehrgeiz und erkennt ihre Talent, wodurch sich zwischen den beiden einige interessante Dialoge entspinnen. Aber Becky wäre nicht Becky, wenn sie sich mit dieser Situation zufrieden geben würde. Schon bald ergeben sich weitaus vielversprechendere Möglichkeiten in Form von Sir Pitts zweitältestem Sohn Rawdon (Tom Bateman, „Da Vinci’s Demons“) und dessen steinreicher Tante Lady Matilda Crawley, die von Frances de la Tour („Vicious“, „Harry Potter und der Feuerkelch“) verkörpert wird. So klettert Becky die gesellschaftliche Leiter immer weiter empor. Doch je höher der Aufstieg, desto tiefer der Fall …

    Becky liebt es im Mittelpunkt zu stehen. Zu sehen: Rawdon Crawley (Tom Bateman), George Osborne (Charlie Rowe), Becky Sharp (Olivia Cooke), William Dobbin (Johnny Flynn) und Amelia Sedley (Claudia Jessie) v.l.

    Wenn man sich damit abgefunden hat, dass es in „Vanity Fair“ keine Heldin gibt und über die eher fehl am Platze wirkenden Modernisierungsversuche hinwegsehen kann, ergibt sich ein durchaus stimmungsvolles Kostümdrama. Die detailliert ausgearbeiteten Gewänder und Kulissen werden mit Sicherheit das Herz von Fans britischer Historienserien höher schlagen lassen. Auch die Darsteller tragen ihr übrigens dazu bei, den Zuschauer in vergangene Zeiten zu entführen. Vor allem die Verkörperung von Sir Pitt Crawley, Lady Matilda Crawley und Becky selbst sind sehr gelungen. So kann man es sich durchaus trotz der angesprochenen Kritikpunkte an einem ungemütlichen Herbstabend mit einer Tasse Earl Grey auf dem Sofa gemütlich machen und den Fall von Becky Sharp beobachten.

    Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Episoden der Serie „Vanity Fair“.

    Meine Wertung: 3/5


    © Alle Bilder: ITV

    Die Literaturverfilmung „Vanity Fair“ ist eine siebenteilige Miniserie und wird aktuell in Großbritannien bei ITV ausgestrahlt. Eine deutsche Senderheimat ist noch nicht bekannt.

    Offizieller Trailer:

    18.09.2018, 17:30 Uhr – Jana Bärenwaldt/thehollyartstudio.com

    Über die Autorin

    Jana Bärenwaldt
    Jana Bärenwaldt entdeckte ihr Interesse an Fernsehserien relativ spät, erst mit der Ausstrahlung von "The Tudors" im deutschen Fernsehen wurde sie zu einem richtigen Serien-Fan. Bis heute ist die Historienserie eins ihrer favorisierten Genres, weswegen sie diesem Thema auch ihre Bachelorarbeit gewidmet hat. Mittlerweile schaut sie aber bunt gemischt, von Drama über Fantasy bis Crime ist alles mit dabei. Seit März 2016 ist Jana neben ihrem Studium in der Redaktion von thehollyartstudio.com tätig und schreibt dort hauptsächlich für TV-Serien aus dem englischsprachigen Raum.

    Lieblingsserien: Sherlock, The White Princess, Death Note

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