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    „Full Metal Jacket“-Darsteller R. Lee Ermey mit 74 Jahren verstorben

    TV-Rollen als Vater von Brisco County Jr., des „Scrubs“-Hausmeisters und Gregory House

    "Full Metal Jacket"-Darsteller R. Lee Ermey mit 74 Jahren verstorben – TV-Rollen als Vater von Brisco County Jr., des "Scrubs"-Hausmeisters und Gregory House – Bild: Stanley Kubrick Productions
    R. Lee Ermey mit seiner Paraderolle in „Full Metal Jacket“

    Schauspieler R. Lee Ermey ist tot. Er verstarb im Alter von 74 Jahren, wie sein Management mitteilte. Weltbekannt wurde Ermey in der Rolle des Gunnery Sergeant Hartman im Film „Full Metal Jacket“ von Stanley Kubrick, der Nemesis des von Vincent D’Onofrio gespielten Private Pyle. Die Rolle brachte Ermey eine Golden-Globe-Nominierung als Nebendarsteller ein. Daneben porträtierte Ermey vor Kamera und Mikrofon zahlreiche weitere Rollen, vornehmlich als Berufssoldat oder andere Respektsperson. Dazu gehört auch die Rolle des Vaters von Dr. Gregory House (Hugh Laurie) in „Dr. House“. Seit dem Jahrtausendwechsel moderierte Ermey zudem mehrere Dokutainment-Sendungen mit Militärbezug.

    Das Type-Casting, die Eingrenzung auf eine bestimme Art von Rolle, kam beim 1944 in Kansas geborenen Ermey nicht von ungefähr: Er hatte elf Jahre im US-Marine Corps gedient – als Ermey nach einer unsteten Jugend mit 17 bereits zum zweiten Mal vor dem Richter landete, gab ihm dieser die Wahl zwischen Gefängnis und Militärdienst. In seiner Militärlaufbahn hatte Ermey schließlich den Rang eines Staff Sergeant erreicht und im Vietnam-Krieg gedient, später war er auf einem US-Militärstützpunkt im japanischen Okinawa stationiert. Als er wegen einer Verletzung den Militärdienst verlassen musste, blieb er in Südostasien und besuchte die Universität von Manila. Dort belegte er Kriminologie und Schauspiel. Anschließend wirkte er in einigen philippinischen Filmen mit, bevor er von Kubrick als Hubschrauberpilot für den Film „Apocalypse Now“ engagiert wurde. Dabei konnte Ermey sich aufgrund seiner Kriegserfahrung auch als technischer Berater beweisen.

    Das führte der Legende nach dazu, dass ihn Kubrick knapp zehn Jahre später erneut als Berater für „Full Metal Jacket“ engagierte, um dem Darsteller des Ausbilders Tipps zu geben. Am Ende spielte Ermey den Part selbst, was seine lange Schauspielkarriere in den USA begründete.

    Dabei stand Ermey selten im Rampenlicht, sondern glänzte in Nebenrollen mit seiner einschüchternden Präsenz. Dank seiner Militärerfahrung als Ausbilder wurde Ermey auch häufig als Sprecher bei Animationsserien gebucht.

    Anfangs seiner Schauspielkarriere war Ermey vor allem in heute in Vergessenheit geratenen Militärfilmen zu sehen, etwa „Einmal Hölle und zurück“ oder „Boy Soldiers“.

    Danach folgten einige Rollen in Kultfilmen, etwa als Bürgermeister im Bürgerrechts-Thriller „Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses“, in „Sommersby“, „Sieben“ und später erneut als Bürgermeister in „Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“.

    Eine Version seiner Rolle als Ausbilder porträtierte Ermey dann 1995 im Serienpiloten zu „Space 2063“ der „Akte X“-Produzenten Glen Morgan und James Wong, wo er als Sergeant Major Bougus die Protagonisten ausbildete. Die hatten sich – mehr oder weniger – freiwillig beim Marine Corps der Zukunft gemeldet und werden nun als Weltraumsoldaten ausgebildet, als die Menschheit zum erstem Mal auf eine intelligente Alien-Spezies trifft und ein Krieg beginnt. Dieser Job brachte danach auch eine Episodenrolle bei „Akte X“ selbst in der elften Folge von Staffel drei, wo Ermey einen Priester spielte.

    Weitere erinnerungswürdige Rollen hatte Ermey als Vater des Protagonisten in „Die Abenteuer des Brisco County Jr.“, als Vater des Hausmeisters in der „Scrubs“-Folge „Mein alter Herr“ (1x19; in der die Eltern der Ärzte im Sacred Heart zu Besuch sind) sowie als „Vater“ von Gregory House, John House. Auch der war beim Marine Corps, als Pilot, was zu einer sehr strengen Erziehung für den jungen House führte und dazu, dass Greg in der Jugend häufig aufgrund der Versetzungen des Vaters umziehen musste. Später fand House heraus, dass John House nicht sein biologischer Vater war.

    In der Serie „Immer wieder Fitz“ (1997 – 1999) um einen Polizeipsychologen hatte Ermey mit 13 Auftritten als Vorgesetzter seine langlebigste Rolle vor der Kamera, in der Animationsserie „Big Guy & Rusty“ (1999 – 2001) übernahm er seine einzige fiktionale Serienhauptrolle.

    Ab dem Jahrtausendwechsel wurde Ermey zum Moderator beim History Channel, der auch zahlreiche Serien über das Militär und Militärgeschichte im Programm hat. Auf „Mail Call“ (2002 – 2007; Ermey beantwortete ausführlich schriftliche Zuschaueranfragen zum Militär, häufig mit Außendrehs in Militäranlagen) folgten „Lock n’ Load with R. Lee Ermey“ („Waffentechnik“; 2009) sowie zuletzt „GunnyTime with R. Lee Ermey“ (2015 – 2017) beim Outdoor Channel.

    Die letzten fiktionalen Rollen des Darstellers umfassen Auftritte als General Tsin in der Animationsserie „Kung Fu Panda“ sowie 2015 als Colonel Leslie Hapablap bei „Die Simpsons“.

    Seit 1975 war Ermey mit seiner Ehefrau Nila verheiratet, mit der er vier Kinder hatte. Ermeys Film-Popularität führte dazu, dass er häufig auch im Umfeld des Marine Corps öffentliche Auftritte hatte – teils als Repräsentant vor allem für deren Jugendorganisation, teils in Unterhaltungsprogrammen für die Truppen im Einsatz, wo er seine „Full Metal Jacket“-Figur in einer Comedy-Routine aufleben ließ. Ermey war auch in der Politik aktiv, etwa in der NRA oder als Kommentator in Polit-Sendungen.

    16.04.2018, 10:46 Uhr – Bernd Krannich/thehollyartstudio.com

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Peter10a am 18.04.2018 15:30 via tvforen.de

      Schade, so lernten ihn viele kennen:

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